Februar, 2026
"Gedichtln" mit Jesse Grande und Sarah Nagl
Letztens durften wir einen besonderen Gast begrüßen: den Telfer Künstler Jesse Grande, „den man eigentlich nicht vorstellen kann“, wie es augenzwinkernd hieß.
Unter dem Motto „Gedichte & Gitarre“ präsentierte Grande seinen Dialekt-Gedichtband, entstanden im Rahmen eines Kulturstipendiums des Landes Tirol. Die Texte wurden von seiner langjährigen Kameradin Sarah Nagl mit Präzision und spürbarer Verbundenheit vorgetragen. Grande selbst setzte mit bewusst reduzierten Gitarrenklängen musikalische Akzente.
Ungewohnt leise zeigte sich der Künstler, der sonst für experimentelle Grenzgänge zwischen Tradition und Innovation bekannt ist. An diesem Abend standen Intimität, Sprachrhythmus und feine Zwischentöne im Mittelpunkt. Dialekt wurde nicht als Folklore eingesetzt, sondern als poetisches Ausdrucksmittel – direkt, berührend und mitunter humorvoll gebrochen.
Die literarischen Miniaturen spannten einen Bogen von skurrilen Alltagsbeobachtungen bis hin zu stillen Momenten großer Emotionalität. Bilder wie „der Tuifl, der alloan bei der Shell hockt und reart“ oder die „Schönheit in bescheidenen Augn“ blieben ebenso im Raum stehen wie Grande’s Fähigkeit, scheinbar Gegensätzliches zusammenzuführen.
Das Publikum dankte mit spürbarer Aufmerksamkeit und langem Applaus. Es war ein Abend, der zeigte, wie kraftvoll leise Töne sein können – und wie lebendig Dialektpoesie in einer Bibliothek klingen kann.